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Am Anfang steht die Melodie

Synthie Pop, der sofort ins Ohr kriecht, um sich dort einzunisten. Die Musik von Little Big Sea ist so unverwechselbar wie die Themen ihrer Lieder. Warum die Band die Philadelphiabrücke besingt und wie man eigentlich Stimmungen einfängt, erfahrt ihr hier.  

 

Die Redaktion empfiehlt, sich beim lesen gleich mal die Musik von Little Big Sea anzuhören! 

 

Souterrain: Beginnen wir am Anfang – wie lange gibt es euch schon?

Marlene: 2 ½ Jahre, haben wir uns ausgerechnet. Seit dem ist aber schon viel passiert. Also wir haben viel, viel, viel gespielt. Viel live gespielt. Viel entwickelt.

Gunther: Viele furchtbar schlechte Konzerte gespielt.

M: Wahnsinn! lacht

 

Wie seid ihr aus dem Wohnzimmer auf die Bühne gekommen?

M: Es ist eigentlich sehr schnell gegangen. Ich weiß noch, wir haben uns getroffen und der Gunther hat mir ein Lied vorgespielt. Wir haben das gemeinsam gesungen und aufgenommen. Ein Freund von mir hat mich kurz darauf gefragt, ob ich nicht auf einem Konzert spielen will. Wir hatten dann ungefähr zwei Wochen Zeit ein komplettes Set zu schreiben und einzuüben. Aber das hat einfach super funktioniert, wir haben beide danach gewusst, dass es das ist, was wir zusammen machen wollten.

 

Ihr habt auf eurem Weg dann schnell bemerkt, ihr braucht noch einen Dritten, der auch ein Teil der Band werden soll? An welcher Stelle auf eurem Weg ist euch Lukas begegnet?

M: Wir haben viel mit Samples gespielt, mussten bei Auftritten aber früh feststellen, dass es nicht reicht, einfach auf einen Knopf zu drücken. Es hat sich dann schnell herausgestellt, dass die elektronische Seite von Lukas sehr gut zu unserem Konzept passte.

 

© Christoph Bus
© Christoph Bus

Seit den Anfängen von Little Big Sea hat sich musikalisch einiges getan – seid ihr mit der Entwicklung zufrieden?

M: Ich glaube, wir müssen uns immer entwickeln, aber vom Sound her, sind wir da, wo wir hin wollten. Ich meine, es hat auch insgesamt vier Jahre gedauert.

Lukas: Wir sind da, wo wir für das Album hin wollten. Wie es weiter geht und wie das nächste aussehen wird, darüber muss man jetzt noch nicht nachdenken.

 

Wie erarbeitet ihr eure Songs? Zuerst der Text oder die Melodie oder mehr Work-in-Progress?

L: Es beginnt immer mit einer Melodie. Also ich bekomme einen strukturierten Song von Marlene und Gunther vorgespielt. Ich mache mir dann meine Gedanken dazu und der Song entwickelt sich dann kontinuierlich weiter.

 

Gab es in dieser Entwicklung auch schon gravierende Erlebnisse?

M: Unser Abschlusskonzert vor zwei Jahren im Mo.e – da dachte ich, während wir gespielt haben, dass ich mir jetzt ein Loch graben muss. Aber es hat einfach dazu geführt dass wir uns tagelang wieder hingesetzt und am Sound gearbeitet haben. Es gibt aber auch tolle Momente, wo wir gut eingespielt waren, wo der Sound stimmte und wo wir merken, es gefällt den Leuten und manche singen Textzeilen mit – das ist schon nett.

L: Die wichtigen Auftritte waren die, wo es echt nicht gut gelaufen ist. Weil die den Ansporn gegeben haben, Sachen neu aufzurollen, neu zu konzipieren, sich mit mehr Sachen auseinanderzusetzen. Wir spielen in vielen verschiedenen Locations und es soll doch in jeder funktionieren.

 

Sind die Konzerte für euch auch eine Gelegenheit neue Sachen auszuprobieren?

G: Also der Song, der beim Publikum am besten angekommen ist, spielen wir nicht mehr, weil er uns überhaupt nicht mehr gefällt.

M: Ja, aber man merkt trotzdem, dass man auf einer Bühne steht. Ich hab mich früher immer so schuldig gefühlt aufzutreten. Inzwischen weiß ich, sobald dieses Gefühl auch nur ein bisschen aufkommt, stimmt

etwas mit dem Lied nicht. Also es ist schon ein sehr direkter Spiegel. Ich meine, es macht natürlich auch großen Spaß. Du spielst im Idealfall mit sehr gutem Sound, mit Licht und Nebel und alles. Das ist schon toll – wir arbeiten wirklich viel an den Liedern und da ist es schön, das dann auch her zu zeigen.

 

© Kurt Prinz
© Kurt Prinz

Zu den Texten – wer schreibt die bei euch?

M: Der Gunther schreibt schon den Löwenanteil unserer Texte. Meistens ist es so, dass der Gunther mit einem Text zu mir kommt und wir dann zusammen einfach noch daran feilen. Zusammen Texte schreiben ist schwierig. Es ist leichter, wenn mal einer anfängt und dann gibt er die Rohfassung weiter. Also so entwickelt sich das. Aber es ist selten, dass zuerst der Text da ist und dann die Melodie.

G: Manchmal ist einfach nur eine Stimmung da und zu “lalala” passt dann ein gewisser Ambos. Und dann singt man halt irgendwelche Wörter, die ganz intuitiv und assoziativ dazu passen. Aus dem Gefühl heraus baut sich dann herum der Text auf. Irgendwann fragt man sich dann, warum ist dieser Text da? Es war ja nur so ein vages Gefühl am Anfang. Es entstehen so, für mein Gefühl, sehr versierte Texte. Das ist schon ein sehr interessanter Prozess, weil man am Anfang nicht darüber nachdenkt, worum es eigentlich genau geht – es gibt nur eine Stimmung. Aber Trauer oder so ist zu wenig. Mehr eine konkrete Stimmung die man nicht so einfach in Worte fassen kann und auf einmal wird das ganz klar – es steht dann ein fertiges Gebäude da.

 

Das ist auch die Kunst des Liedermachens – das Einfangen von Stimmungen. Durch das Abstrahieren kommt dann diese Stimmung am Ende wieder raus…

G: Ich hör am Anfang bei Popsongs nie auf die Texte. Aber es gibt ein Gefühl, das dir sagt: das stimmt. Du hörst es, wenn was nicht stimmt, wenn was gewollt klingt.

L: Wenn du einen Song hörst und es schießt dir eine Textzeile ins Ohr, dann ist das oft ein schlechtes Zeichen. Aber ich glaube, dass ist uns nicht passiert.

 

Und weil es so schön war, hier zum Weiterhören die nächste Perle von Little Big Sea:

 

Warum diese fast schon romantischen Kindheitsmetaphern? Greift ihr da auf Erlebnisse aus dem Alltag zurück?

G: Es ist zum Teil gar nicht so romantisch, nur weil es Erinnerungen sind. Manchmal brauchst du um etwas zu reflektieren eine gewisse Distanz. Also zu manche Dingen. Auch um sie einordnen zu können.

M: Wir haben aber auch Lieder die total aktuell sind. Auf dem neuen Album sind auch Alltagsbeobachtungen von der Philadelphia Brücke, wo wir hier wohnen. Wenn wir in der Nacht spazieren gehen, haben wir Leute beobachten können und da auch ein Lied darüber geschrieben. Natürlich singen wir auch gerne über Themen, die länger vergangen sind, aber es sind auch aktuelle Dinge in unseren Liedern.

 

Pop ist ein sehr großes Thema bei euch…

G: Ja total – ich bin ja mein Leben lang auf der Suche nach dem perfekten Popsong. Ich habe ihn noch nicht gefunden, aber ich nähere mich an.

 

Was ist es, was dich daran so reizt?

G: Es gibt im Pop alle Stimmungen. Ich mag diese gewisse Leichtigkeit des Zugangs zu manchmal auch schweren Themen. Pop ist ja nur ein Zeitphänomen, das es jetzt erst seit 60 Jahren gibt. Die Reduktion von ganz großen Themen auf wenige Minuten und diese dabei mit gewisser Leichtigkeit zu besingen – das fasziniert mich.

Little Big Sea am Pop Fest 2016

Habt ihr musikalische Vorbilder?

M: Ja klar – hören, umsetzen und auf sich selber übertragen, ist ja auch ein Teil von Pop.

G: Meine größten Vorbilder sind definitiv aus dem 60er Bereich Ray Davies, der großartige Sänger von den The Kinks, einer der Besten Songwriter ever. Und für mich einer der besten Songwriter der letzten 20 Jahre ist Damon Albarn. Der Mann hat alles gemacht und es funktioniert wirklich immer. Für mich ist der ein Genius!

L: Wir haben unterschiedliche Musikrichtungen, die sich in verschiedensten Vorlieben zeigen und das fließt alles zu einem Potpourri zusammen.

M: Das darf man auch nicht vergessen das der Kunze halt schon, und das ist auch für uns einfach genial, diesen Hip-Hop Einfluss ganz stark hat. Das einfach diese ganz Hip-Hop lastigen Beats, dir wir teilweise haben, unsere Musik noch einmal auf eine ganz andere Ebene stellt.

 

Habt ihr musikalische Leichen im Keller? Also quasi „Quility Pleasures“?

M: Wir haben uns jetzt vorgenommen, dass wir in jeder zweiten Probe ein neues Lied covern, um Einflüsse zu kriegen. Und ein Lied das wir gestern gecovert haben, auch eines das der Gunter sehr gerne hört –

G: I love it.

M: – ist „Chandelier“ von Sia. Eine wahnsinnig Poplastige Nummer und ein super Ohrwurm. Und das haben wir dann versucht auf unseren Musikstil zu übertragen. Das geht soweit, dass ich mittlerweile eine Lana Del Ray Hörerin geworden bin. Wo mir ja auch viele sagen würden „Oida“, aber ich finde sie einfach genial. Top Stimme. Und meine Leiche ist „Take That“

L: Was ich als Kind viel gehört habe, weil ich die Kassette hatte und auch heute noch viel höre sind die „Crash Test Dummies“ – War zwar ein One-Hit Wonder, aber das ganze Album war ziemlich gut. Und auch Deep Purple – und das als Hip-Hoper.

 

 

 

 

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Little Big Sea – Portugal

Little Big Sea – 5 Days, 5 Years

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