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Auf einen Chai Latte in der Burggasse 24

Henrik schreibt eine wöchentliche Kolumne für Souterrain und entführt seine Leser*innen an die unterschiedlichsten Orte in Wien.

In der Burggasse 24 kann ich mir erst ein Vintageteil kaufen und es anschließend mit Chai Latte bekleckern.

In meiner Schmach verstecke ich mich in einer Nische.
Mein Plan ist erfolgreich und die Kellnerin findet mich erst beim zweiten Versuch, ist aber bereits im ersten Anlauf  freundlich. Ich sitze im Kerzenschein und lese. Über mir vermute ich eine alte Nähmaschine (es ist ein Flaschenzug). Zwei Kamine knistern an architektonisch sinnstiftenden Stellen im Raum. Einer schwächelt. Ein junger Mann in engen Jeans und  breiten Sneakern nimmt zwei Scheite vom aufgetürmten Holzwall. Der gut sichtbare Feuerlöscher weckt mein Urvertrauen und der junge Mann, gerade nachlegend, trägt sein Holzfällerhemd punktuell unironisch.

In mir glimmen Kindheitserinnerungen, ebenfalls mit Kaminen, Holz und Kerzen. Das aufdringlich unaufdringliche Electrogedudel aus den Boxen erstickt mein Schwelgen und ich frage mich, warum in der Mitte des Raumes Palmen unter einer Discokugel stehen. Dann fällt mir ein: Es ist Vintage.
Neben mir steht eine Wendeltreppe, die ins Nichts führt. Ich zahle meinen Chai Latte und folge ihr.

Wer selbst gern einen Blick in die Burggasse 24 werfen möchte, findet hier vorab schon mal Impressionen.

Wer mehr von Henrik Szanto lesen mag, wird hier fündig. Henrik ist außerdem Mitbegründer von FOMP, was das ist erfahrt ihr hier.

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