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WG Party 2.0 – Eine neue Bühne für Wien

Life Musik und Kunstausstellungen direkt in deinem Wohnzimmer, „Freilich“ macht es möglich.

Kunst bei freiem Eintritt auf dem Sofa. Die BWL Student_innen Judith Kuneth und Frank Schulleri haben das Projekt “Freilich” ins Leben gerufen. Dabei geht es vor allem um Intimität, das gemeinschaftliche Musizieren und das Fernbleiben vom Kommerz. Eine neue Bühne für unbekannte Kunstschaffende?

Freilich Open Arts ist eine Event-Reihe bei der als Veranstaltungsorte Privatwohnungen herhalten. Die Idee ist nicht ganz unbekannt und durchaus auch in anderen Städten schon zu finden. Anders als beispielsweise bei „Sofa Sessions“ gibt es bei „Freilich“ neben Konzerten aber auch Ausstellungen, Poetry Slams und alles andere was irgendwie mit Kunst verbunden werden kann.

© Judith Kuneth

Es ist kurz nach 21 Uhr in Ottakring. Ich drücke auf ein Klingelschild, auf dem improvisiert auf Kreppband gekritzelten die Aufschrift „Freilich“ zu lesen ist.  Nach Gegensprechanlagen-typischem-Kraschkeln öffnet sich die Tür und meine Freundin und ich betreten das Haus. Die Wohnung befindet sich im 3. Stock des kaum sanierten Wiener Altbaus. Bereits vor der Tür ist Musik zu hören – meiner ersten Zuordnung nach Gypsy Jazz. Vorsichtig klopfe ich an. Sofort öffnet ein junger Mann freundlich die Tür zur Wohnung.

Uns erwartet ein kurzer dunkler Gang an dessen Ende sich ein etwa 25m2 großes, spärlich eingerichtetes Zimmer öffnet, in dem sich um die 30 Personen befinden. Vor den Fenstern steht die Band des heutigen Abends. Aus dem Programm kenne ich den Namen: „Buntspecht“. Gitarre und Gesang sind leicht verstärkt, um mit dem Rest der Besetzung Schritt halten zu können. Einem Kontrabass, einem Cello, einer Melodica und einer Cajon, die von Zeit zu Zeit durch andere Rhythmusinstrumente ersetzt wird. Später wird noch ein Tenorsaxophon einen Gastauftritt haben.

Gypsi Jazz ist nicht ganz falsch, der Sänger jedoch besticht mit morbid humorösen Texten, die sehr an Wiener Lied erinnern. Auf den ersten Eindruck stolpere ich über seine hohe kratzige Stimme. Doch schon nach wenigen Takten ist genau diese für den einzigartigen Sound der Band unabdingbar, ähnlich wie jedes einzelne Instrument. Was geboten wird, ist tatsächlich großartige Musik und die Zuschauer_innen wissen das zu schätzen. Mit größtem Respekt wird während des Auftritts kaum ein Wort gesprochen und später fleißig applaudiert.

An der Wohnzimmertür lehnend nippe ich an der zweiten Dose Bier als es erneut läutet. Als gebürtiger Münchner, von nächtlichen Polizeibesuchen und Nachbarstreitereien geprägt, vermute ich das Schlimmste. Durch die Tür treten entgegen meiner Sorge die syrische Familie von nebenan. Sie bringen etwas zu essen und gesellen sich für ein, zwei Lieder zu den anderen „Freilich“-Gästen.

© Judith Kuneth

Eine halbe Stunde und zwei Zugaben später, legt die Band unter viel Beifall ihre Instrumente nieder und mischt sich unter die Partygäste. Die Gastgeberin richtet sich an die Teilnehmenden, ein Keyboard wird aufgebaut, manche verrichten ihr Geschäft, andere holen sich ein Bier. Langsam finden sich ein paar Musiker wieder zum Jam ein. Noch etwa zwei Stunden wird munter zusammen musiziert. Ganz ungeniert, darf jeder mitmachen, der auch nur einen einzigen Ton aus irgendeinem Instrument heraus bekommt. Das Ergebnis ist selbstverständlich nicht so clean wie es aus den Köpfen von Profimusiker_innen fließen würde, dafür ist es aber umso erfrischender und abwechslungsreich. Nachdem die meisten Gäste das erste „Freilich“ Konzert der Welt verlassen haben, spielt noch immer ein junger Mann am Keyboard. Kein Youtube, keine Chart Hits, kein Gestreite um die Musik.

“Freilich Open Arts” bietet Künstler_innen die Möglichkeit ihre Werke in einem sehr intimen Rahmen zu präsentieren. Aber auch Personen, die sich noch nicht auf eine große Bühne trauen, haben hier die Gelegenheit die Wirkung ihrer Kunst aus nächster Nähe zu erfahren. Das überschaubare Publikum bietet Raum für Experimentalkunst.

Eine Veranstaltungsreihe wie “Freilich” lebt von ihrem Geheimtipp-Status und der Abstinenz formeller Hürden und Rahmenbedingungen. Sowohl Veranstaltung als auch Künstler und Künstlerinnen unterliegen dabei noch nicht der Kommerzialisierung. Gewinnabsichten sind allenfalls Ideell.

In Zukunft soll mindestens einmal im Monat eine „Freilich“ Veranstaltung stattfinden. Neben Konzerten soll  auch Raum für Lesungen, Poetry Slams und andere Kunstformen  geschaffen werden. Als Locations dienen hierfür, ganz im Sinne der Veranstalter_innen, verschiedene Privatwohnungen. Eintritt wird nach subkulturellem Ideal keiner verlangt, freie Spenden sind natürlich erwünscht.

Die monatlichen Termine werde exklusiv auf der Facebook-Seite angekündigt – der nächste Abend steht freilich schon fest: Für das Konzert am 9. Dezember sind bei Kontaktaufnahme noch Karten erhältlich.

Tickets und Kontakt:

https://www.facebook.com/FreilichOpenArts/?fref=ts

Judith Kuneth: https://www.facebook.com/judith.kuneth

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