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Der Film der Frauen

Die 1. Souterrain Filmtage kommen und wir fragen uns, was der weibliche Blick im Film eigentlich ist.

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Filmen von Frauen und Filmen für Frauen? Wie geht es dem „anderen“ Geschlecht in der Filmszene? Und was hat eigentlich der Bechdel-Test mit all dem zu tun? Fragen, die an den 1. Souterrain Filmtagen aufgeworfen werden, mich aber schon länger als TFM-Studentin beschäftigen. 

In den Kursen der Theater-, Film- und Medienwissenschaften ist der größte Teil der Studentinnen weiblich. In den Vorlesungen, Seminaren und Übungen sind Männer teilweise eine Seltenheit. Wirft man einen Blick auf die Aufteilung der Lehrbeauftragten, so steht es vorbildlich fast 50:50. Und doch bleibt die Frage offen, wo denn der Großteil der Studentinnen hin verschwindet.

Keine offiziellen Erhebungen zu Frauen in der Branche

Die Grüne Abgeordnete Aygül Berivan Aslan stellte 2015 eine Anfrage Betreffend Frauen in der Filmbranche an die damalig aktuelle Ministerin zuständig für Frauen Gabriele Heinisch-Hosek. Die Frage lautete, warum der stereotypen Darstellung von Frauen im österreichischen Film nicht entgegen gewirkt wird, vor allem darauf bezogen, das wenige Frauen als Produzentinnen oder Regisseurinnen Förderungen erhalten bzw. in der Branche Vertreten sind. 

Es bestehen keine offiziellen Erhebungen, um diese Vermutungen tatsächlich statistisch zu bestätigen. Doch reicht ein Blick auf die produzierten Filme und Serien, um zu bemerken, dass die Darstellung von weiblichen Figuren nicht die Realität der Geschlechter wiedergibt.

Film als medialer Spiegel der Realität?

Film ist nicht einfach Unterhaltung, sondern er spiegelt das Verhältnis der Geschlechter wieder. In dem Sinne, das er Gender Stereotypen reproduziert und in den Köpfen der Zuschauer verankert. Die

Verteilung der Filme, die dem Bechdel-Test unterzogen wurden.

amerikanische Cartoon-Zeichnerin Alison Bechdel kreierte 1985 einen simplen Test für Film und Serien. Er sollte zeigen, wie Frauen im medialen Mainstream vorkommen. Die Fragen sind denkbar einfach:

1. Es müssen mindestens zwei Frauen mit einem Namen darin vorkommen,
2. die miteinander reden,
3. über etwas anderes als Männer.

Diese simplen Anforderungen können 42 % der 7171 bewerteten Filme nicht erfüllen. 10,40 % erfüllen keine der gestellten Fragen. Ein ausschlaggebender Faktor bei der Erfüllung des Bechdel-Test scheint die Beteiligung der Frauen an diversen Stadien der Filmproduktion zu sein. Sobald Frauen als Drehbuch Autorinnen, Produzentinnen oder Regisseurinnen beteiligt sind, verbessert sich das Ergebnis schlagkräftig.

Schlüsselpositionen im Film weiterhin von Männern besetzt

Und trotzdem, ist der subjektive Eindruck der Filmszene ein Männlicher. Frauen in leitenden Positionen sind schwer zu finden und bekleiden meist die tradierten weiblichen Berufe wie Kostüm Design, Produktionsassistentin oder PR. Die Schlüsselfunktionen wie Drehbuch, Kamera, Produktion und Regie sind meist von Männern besetzt. Diese Berufe aber, bilden den Kanon der jeweiligen Produktion.

Was passiert, wenn Frauen an Drehbüchern beteiligt sind.

So kommt es, dass 42% der Filme klar ein männliches, heteronormatives Zielpublikum ansprechen. Starke weibliche Protagonistinnen bleiben aus. Die Genres, die den Bechdel-Test mit Abstand am schlechtesten Bestehen sind Western (76%), Film-Noir (73%) und Kriegsfilme (68%). Diese Filme haben wenn, Frauen nur als Nebenrollen. So ist es auch nicht verwunderlich wenn das „weiblichste“ Genre Musik mit 71% den Test besteht.

Filme für Frauen, namentlich Romance, bestehen interessanterweise den Test mit 44%. Gerade dieses Genre ist bezeichnend. Selten reden Protagonistinnen in diesen Filmen über etwas anderes als Männer. Der vergleichsweise gute Score ist hier nur durch die anderen Gesprächsthemen wie Kosmetik, Kleidung oder ähnliches zu erklären. Die Themen bleiben aber Oberflächlich und repräsentieren keineswegs die Realität von Frauen.

Filme bilden das Denken der kommenden Generationen

Schon ab dem frühesten Kinderalter, erziehen uns Filme in unserem Denken von der Welt. Stereotype Geschlechterrollen wie die Disney-Prinzessinnen oder Grimms-Märchen prägen die Vorstellungen

Warten, bis der Prinz zur Rettung eilt.

zahlloser Mädchen und Jungs. Diese Muster bleiben in den Köpfen erhalten und Schicht auf Schicht vergraben sich diese Geschichten in unser kollektives Gedächtnis.

Die Plots der Filme für Erwachsene bauen auf den Strukturen auf und öffnen erst die Gräben zwischen typisch Weiblich und Männlich. Später im Leben und im Alltag werden diese Industriellen Strukturen tatsächlich gelebt und in mühsamen Debatten über Feminismus, der Rolle von Männern und Gleichberechtigung versucht zu beheben.

Der Schlüssel für dieses Probelm liegt zum Teil in der produktion von Medien. Wie werden Frauen dargestellt? Wie werden Männer dargestellt? Welche Normen werden dort verhandelt und normalisiert? Fragen, die uns alle nicht nur im Film sondern auch in unserem Alltag gestellt werden. Und denen wir uns Aussetzten müssen, um tatsächlich eine bunte und adequate Darstellung von Männern und Frauen zu erlangen.

Geschichte von Frauen und Männern erzählen

Die Arbeit der DrehbuchautorInnen ist entscheidend. Dort schreibt sich ein, wie der jeweilige Autor seine Geschichte erzählt. Wenn Frauen und Männer gemeinsam ihre Realitäten in den Geschichten erzählen, würden viele Kritikpunkte einfach wegfallen. Die gemeinsame Perspektive zeigt den ZuschauerInnen eine Welt, in der die Frage nach dem männlichen Blick des Films gar nicht mehr relevant ist. Und Prinzessinnen müssen nicht mehr in einem Turm warten, bis endlich ein Mann auf die Idee kommt eine Leiter zu verwenden.

Frozen, Drehbuch: Jennifer Lee, Regie: Jennifer Lee & Chris Buck