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Gedanken, die ich mir in der Tram mache

Warum legen wir unsere Privatsphäre der Welt zu Füßen? Facebook, Twitter, Instagram – Die drei Pfeiler unseres Lebens

Warum legen wir unsere Privatsphäre der Welt zu Füßen? Facebook, Twitter, Instagram – Die drei Pfeiler unseres Lebens

Es ist 8:15, etwas zu früh, für meinen Geschmack, als ich mich gedankenverloren in das morgendliche Getümmel der Tram quetsche. In was für einer Welt leben wir eigentlich, frage ich mich und blicke umher. Doch keiner der umstehenden Passagiere erwidert meine Blicke, weil alle sich in ihre eigenen Welten flüchten. Geschäftig wird mit flinken Fingern in iPhones getippt, Selfiesticks gezückt und sich in Pose geworfen.

Zwanghaft wird versucht jeden Moment mit aller Kraft festzuhalten, von dem kunterbunten Müsli mit Chia Samen am Morgen bis zu dem Hashtag nightout, spätnachts. Und noch während wir DEN einen perfekten Filter, von den 25 angebotenen, ausgewählt haben, ist der Moment schon wieder verfolgen.

In was für einer Welt leben wir eigentlich in der wir uns durch Likes definieren und unser wahres Ich durch eine Vielzahl von Filtern verschleiern? Eine Welt, in der ein Urlaub erst dann schön ist, wenn wir ein Strandfoto auf fünf verschiedenen sozialen Netzwerken teilen und dafür neidische Kommentare ernten. Warum sind wir bereit unser Leben vor Anderen wie eine Tischdecke auszubreiten und es mit Informationen über uns selbst zu dekorieren?

Wir greifen in unser Inneres und streuen unser Ich, mit beiden Händen auf die Erde, über die Welt. Wir erwarten, dass schöne Blumen daraus sprießen, doch was die Menschen sehen ist nur die Oberfläche, nur das Unkraut, das in den Gärten des Internets wuchert.

Was die Menschen sehen, ist ein verzerrtes Bild unseres Selbst. Ich frage mich, warum wir bereitwillig Werte gegen die virtuelle Anerkennung tauschen? Die eigene Privatsphäre mit Füßen treten wie einen ungeliebten Hund unter dem Esstisch. Mit festem Griff hält uns die Selbstdarstellung umklammert und lässt uns anstatt miteinander nur noch nebeneinander leben. Jeder in seiner eigen, virtuellen Realität die wir uns schön säuberlich aufgebaut haben. Foto für Foto. Allerdings zieht uns diese Illusion immer wieder in ihren Bann. In einen Bann der uns stundenlang, gedankenlos durch soziale Netzwerke treiben lässt.

Mein Blick schweift über gesenkte Köpfe, während die malerischen Fassaden Wiens draußen vorbeiziehen. Wie viele einzelne Momente ich wohl schon verschmäht habe, durch meinen eigenen Sozial Media Konsum? Wie viel Zeit mir bloß schon durch die Smartphone haltenden Finger zerronnen ist? In was für einer Welt leben wir eigentlich, frage ich mich während ich vor lauter Facebookscrollen, an meiner Haltestelle vorbeifahre.