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©Metro Kulturkino

Mood & Memory

Bewundernswert wie man das heikle Thema Flucht in eine so kunstvolle Performance verarbeiten kann.
Das Projekt MOOD AND MEMORY von den Studierenden der Angewandten kann man sich am 6. Dezember im Schikaneder zu Gemüte führen. 

„Und das alles nur wegen den Flüchtlingen..“ schnappe ich im Vorbeigehen an einer älteren Frau mit verbittertem Gesicht, auf. Flüchtlinge. Sie spuckt das Wort mit voller Verachtung auf den Boden. Ist der Terminus schon so trivial geworden? Haben wir es schon zu oft gelesen, dass wir es inzwischen überlesen?Unsere Münder in Flüchtlingsdebatten wund diskutiert, sodass wir keinen emotionalen Bezug mehr verspüren? Wir vergessen, dass hinter diesem Wort Menschen stehen. Menschen mit einer Geschichte, einem uns unbegreiflichen Schicksal. Das Wort Flüchtling hat beinahe schon eine entmenschlichte Form angenommen – Der bequemste Weg einer egozentrischen, westlichen Welt. Anstatt sich mit dem Hintergrund und den Gründen von Flucht zu beschäftigen werden geflüchtete Menschen zum Sündenbock ihres eigenen Schicksals gemacht.

Auch die AutorInnen der Sprachkunst der Universität für angewandte Kunst haben sich, in Kooperation mit MedienkünstlerInnen des Experimentellen Radios Bauhaus Weimar und Kommunikationsdesigner der Fakultät für Gestaltung Hochschule Mannheim mit dem sensiblen Thema Flucht, auseinander gesetzt. In ihrem Projekt Mood and Memory haben sich die Kunstschaffenden nicht nur mit der Terminologie Flucht und Flüchtling beschäftigt, sondern auch mit den Menschen und ihren Schicksalsschlägen. In Form von elf Kurzfilmen zeigen die Studierenden den schweren Weg etlicher Menschen, von deren zerrütteten Heimat durch bürokratische und zwischenmenschliche Hürden, bis zu einem neuen Leben.

Die Inszenierungen reichen von einer bildhaften Fluchtgeschichte aus Aleppo bis zu Gedanken, die wie Luftschwaden durch den Raum einer Flüchtlingsunterkunft in Wien schwirren. Besonders macht dieses Projekt die Mitarbeit von StudentInnen des Flüchtlingsprogramms MORE von den Universitäten. Da durch die Flucht vielen geflüchteten Menschen der Zugang zur Bildung verwehrt bleibt, hat sich die Initiative MORE das Ziel gesetzt, Menschen mit Fluchthintergrund Zukunftsperspektiven zu bieten. Inzwischen stellen bereits 21 Universitäten in ganz Österreich eine bestimmte Anzahl an Plätzen in Lehrveranstaltungen und Kursen zur Verfügung, wie in diesem Fall die Universität für angewandten Kunst.

Die Studierenden von MORE gewähren uns Einblick in ihre ganz persönliche Geschichte und geben auch beim anschließenden Filmgespräch viel von ihrem Innenleben preis. Da die eigenen Erfahrungen in die kunstvollen Filme eingewoben werden, entsteht eine packende Dynamik für das Publikum. Es treffen intime Emotionen auf  ästhetische Sprachkunst.Wörter die bewegen und Bilder die in Erinnerung bleiben.

Mood and Memory findet im Zuges des „this human world“, dem internationalen Filmfestival für Menschenrechte am 6.Dezember um 20:30 im Schikaneder statt.

https://www.thishumanworld.com/movies.php