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Wiener Grant trifft auf kanadische Freundlichkeit

Unsere Redakteurin Nadja Schloißnig verweilte kürzlich für ein paar Wochen in Kanada und versucht nun die kulturellen Unterschiede zu Wien – sofern vorhanden – aufzuzeigen.

Kanada: Ahornsirup, Eishockey, viel Natur, nette Menschen. Das war alles, was ich je über Kanada gehört habe, bevor ich beschloss dieses riesige Land selbst aufzusuchen. Innerhalb eines Monats waren die Hotels gebucht, die Koffer gepackt und ich saß im Flieger, ohne zu wissen, was eigentlich auf mich zukommt. Gelandet wurde in Toronto: größte Stadt Kanadas und ständiger Veränderung (in Form von Bauarbeiten) unterworfen. Auf den ersten Blick erkennt man, abgesehen von der unermesslichen Größe von einfach allem, kaum Unterschiede zu Wien. Es gibt ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrssystem, viele Lokale, Universitäten und viele Ateliers und Museen. Der Kulturschock bleibt also erstmals aus, auch wenn die vielen Hochhäusern schon sehr faszinieren. Auch bei der Weiterreise nach Montreal sind die ersten Eindrücke sehr ähnlich. Es wirkt nicht so anders, man befindet sich eindeutig noch in der reichen, westlichen Welt und den Leuten scheint es nicht unbedingt besser oder schlechter zu gehen als bei uns.

©Nadja Schloißnig

 

Der Kulturschock stellt sich dann aber doch ein, nämlich beim Gespräch mit den Bewohnern und Bewohnerinnen Kanadas. Egal mit wem man zu sprechen beginnt, als erstes wird man herzlich willkommen geheißen und danach führt das Gespräch in diese oder jene Richtung. An den Gesprächen bemerke ich anfangs vor allem zwei Dinge: 1. Man kommt sehr leicht mit jemandem ins Gespräch und 2. die Kanadier/innen* sind wirklich freundlich. Man spürt sofort, dass man sich in einem Land befindet, das die Willkommenskultur lebt. Des Weiteren ist auffällig, dass – zumindest in den Kreisen in denen ich mich bewegte – weder Hautfarbe noch Geschlecht oder Sexualität eine Rolle zu spielen scheint. Jede/r wird gleichermaßen zuerst als Mensch angesehen. Auch auf der Straße ist das bemerkbar, denn die „Freundeskreise“ sind immer bunt durchgemischt. Ein sehr angenehmer Anblick, der einen in Wien eher abgeht. Es wird auch wenig gegrantelt, was aufgrund des furchtbaren Wetters schon verwundert.

 

Die Ausgehkultur scheint sich nicht groß von unserer zu unterscheiden. Abgesehen davon, dass es eine größere Durchmischung der Altersgruppen gibt. Dies ist mir vor allem in Jazzclubs und bei Konzerten aufgefallen. Es findet auch im Winter viel mehr draußen statt als bei uns. So findet z.B. in Montreal ein Winterfestival im Freien statt, bei dem Lagerfeuer aufgestellt werden und man Curling oder Eishockey spielen kann oder eines der (gratis) Konzerte besuchen kann, die aber in Zelten stattfinden. Es gibt eine sehr große Bierauswahl, viele davon direkt aus dem Zapfhahn und nicht aus der Flasche. Es wird auch Wert auf Lokalität gelegt, man findet in jedem Lokal Getränke, die in der unmittelbaren Nähe hergestellt werden und Essen aus der Region. Das heißt natürlich nicht, dass nichts importiert wird, aber es ist doch auffällig.

©Nadja Schloißnig

 

Das sind einige der Eindrücke, die mir im Gedächtnis geblieben sind, natürlich ist dies auch nur eine Momentaufnahme und ich bin auf keinen Fall zur Kanada Expertin geworden. Wofür ich aber plädiere, ist die Offenheit und Freundlichkeit auch in unsere Kultur zu übertragen und die Menschen vor allem als das zu sehen, was sie sind: Menschen. Denn die Stimmung in einem Land, in dem jede/r erstmals freundlich und nett ist und dann erst urteilt, ist sehr angenehm und hebt auf jeden Fall auch die eigene Laune im Alltag.

 

 

* Ich will natürlich nicht generalisieren, sondern führe hier nur auf, was ich erfahren habe – es ist mir durchaus klar, dass es DEN oder DIE Kanadier/in nicht gibt.