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DI_VER*SE

Kommen wir nicht alle als “das Kind” zur Welt?

Mit Maria Fliri, Helga Pedross, Peter Bocek
Text und Regie: Barbara Herold
Ausstattung und Video: Caro Stark
Choreographie: Anne Thaeter
Regieassistenz: Valerie Oswald
Licht: Martin Beck
Produktionsassistenz: Nicole Wehinger
Koproduktion KTheater Kempten & Kosmos Theater
 
Wir kommen als “das Kind” zur Welt. Irgendwann werden wir in zwei Geschlechter aufgeteilt. Seither streiten diese Geschlechter miteinander, das klingt nach griechischer Mythologie. Warum das Geschlecht wichtiger ist als der Mensch – keine Ahnung.
 
Diversität/Vielfalt ist ein heute häufig strapaziertes Wort, dem der Inhalt verloren ging. Alles soll diverse sein, Kultur, Weltanschauung, sexuelle und religiöse Orientierung und vieles mehr. Aber die Tradition der Geschlechterrollen sollte bitte nicht angetastet werden.
 
„Es ist nicht wichtig, eine Frau oder ein Mann zu sein, wichtig ist es, ein Mensch zu sein.“
 
Das klingt fast banal und doch hat dieser Satz eine große Relevanz.
Im Berufsleben werden Menschen sogar nach ihren Geschlechtern bezahlt und eingesetzt, obwohl die Firmenidentität zumeist andere Inhalte vorspielt.
© Caro Stark
© Caro Stark
 
Beim Geschlecht endet die Vielfalt, die Grenzen der Banalität sind erreicht.
Mann – Frau, Varianten dazwischen haben es schwer.
 
“Ich bin eigentlich sehr stolz. Ich habe mein Geschlecht geändert und meine Familie ist bei mir geblieben. Ich bin Frau, Vater, Oma und ich habe eine tolle Ehefrau.”
 
Die durchlebten Krisen bei Geschlechtsumwandlungen, die Identitätsfragen, Ausgrenzung und die körperlichen Eingriffe sind unvorstellbar und ich glaube, das tut sich jemand nur an, wenn er wirklich aus seiner gesellschaftlichen Manifestierung wegkommen will/muss.
 
All diese Themen poppen im Theaterstück DI_VER*SE auf und sind deshalb auch so authentisch wiedergegeben, weil Barbara Herold, Autorin und Regisseurin von DI_VER*SE, einem Dutzend Trans-, Transgender- und Interpersonen verschiedenen Alters und unterschiedlichster Herkunft zugehört und ihre Sätze aufgeschrieben hat. In ihrem neuen Stück kommen sie zu Wort, erzählen über Alltag, Ausgrenzung und Anerkennung, von Menschenrechten und Menschenwürde, auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück.
 
Barbara Hold verwendet den Menschen als Projektionsfläche. Allein über Haltung, Sprache und Gestus verwandeln sich die Schauspieler.innen und bedienen typische männliche und weibliche Verhaltensmuster. Durch die reduzierte Darstellung und das gekonnt eingesetzte Bühnenbild (Ausstattung und Video: Caro Stark), treffen die Sätze genau den Punkt der Absurdität, der in dieser binären Rollenteilung Basis ist.
Das Schauspielerensemble (Maria Fliri, Helga Pedross, Peter Bocek) denkt die Texte, findet die leisen Töne ebenso wie die starken Stücke, der Abend vergeht wie im Fluge. Die Abwechselnden Rhythmen zwischen Aussagen und Raps bringt Tempo in das Stück.
 
Ein gelungener Theaterabend der nachhaltig wirkt. Ein Thema über das wir alle öfters nachdenken sollten. 
 
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