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Der weiße Planet – ein Reisebericht 

Sonntag, 06.11.2016

Treten sie ein. Legen sie ihren Mantel ab und schlüpfen sie in einen roten Astronautenanzug. Es wird Zeit, die Erde zu verlassen und sich auf den Weg zu machen. Der Weiße Planet erwartet sie. Als Proband_innen dieser allerersten Expedition haben sie die Möglichkeit dabei zu sein und sich auf neues, gänzlich unbekanntes Terrain zu begeben. Sind sie bereit? Dann nehmen sie ihren persönlichen Datenträger in die Hand und folgen sie der Dame im weißen Mantel.

So beginnt es und schon ist man auch mitten drin. Die aus Salzburg stammende, bildende Künstlerin Stephanie Winter hat in ihrer neuesten Arbeit eine ehemalige Schlüsselfabrik in Meidling zum Weißen Planeten umgestaltet. Gemeinsam mit rund 40 Performer_innen verwandelt sie das leer stehende Gebäude zu einer begehbaren Installation der besonderen Art. Die Erforschung dieses eben entdeckten Himmelskörpers liegt nämlich beim Publikum, welches in kleinen Gruppen von Station zu Station reist.

Der Raum selbst ist Hauptprotagonist an diesem Abend. Was hier an Ausstattung in wenigen Wochen intensiver Arbeit (und langer Vorbereitungszeit) entstanden ist, beeindruckt ungemein. Jedes Zimmer ist bis ins Detail hinein gestaltet und lässt einen sogleich den Alltag vergessen. Ästhetisch fühlt man sich manchmal an Kubrick erinnert und generell in eine Zeit zurückversetzt, als der Traum von Weltraumreisen und dem Entdecken fremder Planeten noch überaus positiv aufgeladen war. Farblich verwandeln sich die Räume von Weiß, über Rot und Silber bis hin zum letzten goldenen Raum und bilden so die innere Landkarte des Abends. 

Die allgegenwärtigen Performer_innen verbreiten dabei ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Dieses macht es erst möglich sich voll Lust und Neugier auf die Situation einzulassen. Gerne beantwortet man persönliche Fragen und hört sich Vorträge über Foucault an. Und wenn es mit einem Mal heißt: „Schließen sie die Augen, setzen sie die Kopfhörer auf. Ich werde sie weiterführen.“ Nun, so folgt man auch dieser Aufforderung ohne großes Zögern. Dabei befindet man sich (immerhin) am Arm einer unbekannten Person und auf einem unbekannten Planeten. Selbst wenn man kein Problem mit Kontrollverlust hat, ein außergewöhnliches Erlebnis ist es auf alle Fälle. Man spürt wie sich der Boden verändert, aus den Kopfhörern flutet Musik und duftet es nicht plötzlich nach Vanille? Etwas Süßes liegt auf jeden Fall in der Luft.

 

 

 

Fotos: Stephanie Winter

Es ist diese rundum sinnliche Erfahrung, die den Weißen Planeten so erfrischend macht. Man hört, fühlt, schmeckt. Trinkt kosmisches Wasser, lernt einen Tanz und wird nach Ratschlägen gefragt. Immer behalten dabei die Proband_innen ihren Gelee-artigen Datenträger in der Hand. Einer schnüffelt schließlich daran, woraus es besteht, kann er aber nicht herausfinden. 

Nach kurzen eineinhalb Stunden kehrt die Expedition schließlich nach Wien, Meidling zurück. Selig lächelnd und ein bisschen berauscht torkelt man wieder in den schummrigen Empfangsraum. Doch die Auseinandersetzung mit dem Weißen Planeten ist nicht zu Ende. Während die nächsten Astronaut_innen ihre Jacken abgeben und zögernd der Frau im weißen Mantel folgen, unterhalten sich die Zurückgekehrten angeregt an der Bar. Ob und wie weit die Entdeckungstour sich zu einer inneren Reise gewandelt hat, erlebt naturgemäß jeder anders. In einem Punkt jedoch sind sich alle einig: dieser Abend macht glücklich. 

 

Premiere: 28.10.2016
weitere Vorstellungen am: 4.11. / 5.11. / 11.11. / 12.11. / 19.11.2016

Dauer: ca. 1,5 h

Slots starten jeweils um:
19:00 / 19:30 / 20:00 / 20:30 / 21:00 / 21:30 / 22:00

Check in: Rauchgasse 40, 1120 Wien

Vorverkauf: 15 € / 10 €
Abendkasse: 18 € / 12 €

Um Anmeldung via Email wird gebeten: transfer@missmission.at 

Web
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www.missmission.at
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