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Eyes On - Monat der Fotografie

Samstag, 29.10.2016

EYES-ON, der Monat der Fotografie hat begonnen und die über ganz Wien verteilten Ausstellungsräume öffnen für uns ihre Pforten. Vom 25. Oktober bis zum 30. November besteht die Möglichkeit, Bilder ausgewählter Künstler_innen zu bewundern. Heuer sind jene erstmals in fünf Kategorien (http://eyes-on.at/2016/de/ausstellungen/themen) unterteilt.

Wir treffen uns am Eröffnungstag nach der Pressekonferenz mit der Co-Direktorin Michaela Obermair. Sie selbst ist als Kunstschaffende tätig, seit 2014 fließt ihr gesamtes Engagement in das Eyes-On Event.

Souterrain Magazin: 2014 stellte sich in den Eyes-On Talks die Frage, ob die Fotografie zu Ende sei - dem ist aber offensichtlich nicht so. Die Zahlen alleinig für das Eyes-On Event steigen stetig. Würde diese Frage heute nochmals so gestellt werden? 

Michaela Obermair: Diese These kann ich nicht mehr hundertprozentig aufnehmen. Das war ein Gedankengang von meinem Kollegen Andreas Hirsch, der die Eyes-On Talks aufgebaut hatte. Demnach war es auch sein Konzept. Das macht die Frage für mich schwierig zu beantworten. Ich glaube nicht, dass die Fotografie am Ende ist. Ich glaube, dass durch das Smartphone die Fotografie selbst breit gefächert ist und oftmals die Tiefe fehlt - das ist das Problem. Man nimmt sein Handy und fühlt sich als Fotograf. Wobei man sich mit einer Gitarre nicht so schnell wie ein Musiker fühlt. Unser Monat der Fotografie leistet hoffentlich einen Beitrag zu dieser wünschenswerten Tiefe.

Das Festival wird erstmals in Themen unterteilt. Wieso diese Einschränkung?

Wir hatten während der Auswahl kein Thema vorgegeben. Normalerweise war es so, dass einfach alle Projekte - quasi alphabetisch geordnet, präsentiert wurden. Diesmal haben wir uns die Mühe gemacht, aus all diesen Projekten  eine Tendenz herauszukristallisieren: Wir haben Kategorien gebildet, aber aus bereits vorhandenem Material. Es ist eher für den Zugang, die Kategorisierung soll bei der Vermittlung helfen und keine Einschränkung sein. Wenn ich also weiß, dass ich mich für Geschichte interessiere, kann ich viel leichter schauen: ist da etwas für mich dabei?

Greifen diese Kategorien international?

Die einzelnen Monate der Fotografie funktionieren unterschiedlich. In Berlin war es beispielsweise immer so, dass es eine Themenvorgabe gab. Heuer zum ersten mal keine.

Eyes-On hat viele Sponsoren. War dem schon immer so oder hat es sich so entwickelt?

Schön, dass es so wirkt, es sind aber leider eindeutig zu wenige! Es hat sich zwar gebessert, aber es trotz allem immer noch eine sehr schwierige Situation. Vieles findet auf Kooperationsbasis statt, Sponsoring ist der marginale Teil.

Die Port-Folio Briefings sind eine tolle Sache. Es ist nur schade, dass diese doch so viel kosten...

Ich verstehe den Gedanken, aber es rentiert sich leider so schon nicht. Das Schwierige ist einfach, dass wir uns bemühen internationale Gäste zu bekommen, um ein tolles Niveau zu erhalten. Hier ist es so, dass selbst unsere Gäste nur ihre Reisekosten erstattet bekommen und ein minimales Anerkennungshonorar erhalten. Es ist alles sehr knapp kalkuliert. Anders wäre alles ein Minus-Geschäft. Wir haben auch des öfteren überlegt: Wie können wir tun... sollen wir Stipendien vergeben?  Und hier schreitet dann wieder der zeitliche Faktor ein, weil die Organisation rasch gehen muss.

Deshalb die 48€ bei der Projekt-Einreichung?

Bei der Projekt-Einreichung ist es wieder etwas anderes. Die Review soll für sich alleine stehen. Es ist ein zusätzliches neues Programm, dass wir hier veranstalten. 

Wo ist der Zusammenhang zwischen 'Looking For The Clouds' und Eyes On?

Es gibt den europäischen Monat der Fotografie. Alle acht Partnerstädte machen gemeinsam eine Ausstellung - machen sich Gedanken mit den einzelnen Kuratoren. Das Ziel ist, dass diese Ausstellung in jeder Partnerstadt gezeigt wird. Dadurch, dass alle Ausstellungsräume anders sind, haben wir hier mehr oder weniger ein offenes Konzept.

Konkret zur Medienfotografie: Wie ist die Mitverantwortung des Fotografen? Beispielsweise sind hier Bilder zur Griechenland Krise ausgestellt...

Ich weiß nicht, ob der Fotograf das lenken kann. Wenn man ein Foto an ein Medium gibt, ist es immer eine sehr riskante Position für den Fotografen – vor allem, wenn es um derartige Fotos geht. Man kann es natürlich in andere Richtungen interpretieren lassen. Natürlich besteht hier eine Verantwortung, aber ich glaube es geht hier eher um ein Bewusstsein für die Verantwortung des Bildes, die es zu schärfen gilt. Man muss die Bildrealität auch als Konsument mitbedenken.

In der künstlerischen Fotografie?

Ich glaube, es ist immer so. Das Foto, das man her gibt, kann verwendet werden. Und ich glaube, dass ist auch in der Kunst so. Diese Obacht muss man in alle Richtungen haben. Also auch, wenn wir die Bilder von den Künstlern bekommen, um das Festival zu bewerben, kann es natürlich passieren das man das Bild auch für etwas nimmt, wo es nicht richtig passt. Natürlich wollen wir das nicht. Wir versuchen das immer nach bestem Wissen und Gewissen zu gestalten. Aber man kann ja nie wissen, passieren kann so etwas immer!

Abschließend eine Frage zur eigenen Person. Seit "Folie" (http://www.michaelaobermair.com/folie/gab es von dir keine neuen künstlerischen Projekte mehr. Weshalb?

Das ist schwierig. Wie soll ich sagen – auf welche Seite gehöre ich? Was mache ich? Immer, wenn man Kunst ernsthaft betreiben will, braucht es natürlich ganz viel Zuwendung, Zeit und Durchhaltevermögen. Ich arbeite eigentlich schon an anderen Konzepten, bei denen es eher um gefundenes Bildmaterial geht und eben auch darum, wie man sich in fremden Bildern wiedererkennen kann. Wie funktioniert Erinnerung - auch in Hinblick auf die Hirnforschung. Es gibt viel Recherche, die ich zusammen schreiben müsste – aber dann hatte das Festival begonnen (lacht) und jetzt liegt es auf einem Berg Arbeit bei mir zuhause. Ich kann mich ehrlich nicht entscheiden, auf welche Seite ich gehöre. Vielleicht muss ich es gar nicht entscheiden. Aber ich merke oft, dass beides schwierig ist. Das ist natürlich auch eine Geldfrage. Ich bin da ganz bei euch, meine Miete wird abgebucht, ob ich jetzt Kunst mache oder nicht. Reich wird man in der Kunst sowieso nicht. Egal auf welcher Seite man steht. Warten wir ab, bis das Festival vorbei ist – mal sehen, was dann kommt...

 

 

Noch bis zum 30. November können in ganz Wien Ausstellungen von Eyes On besucht werden.
Einen genauen Kalender findet ihr hier: http://eyes- on.at/2016/de/ausstellungen/kalender