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Menandros et Thais
Ein tschechisch-österreichischer Sandalenfilm

Samstag, 05.11.2016

Vogelperspektive: Ein Steg auf dem das Wort „ET“ zu lesen ist. Langsam schwimmen zwei Flöße darauf zu und werden befestigt; Sie bilden den Filmtitel „Menandros et Thaïs“. Und schon sind wir mitten drin in der Handlung des bildgewaltigen und handlungsgeladenen Filmes.

Menandros, ein schöner und tapferer Krieger Athens, darf endlich seine geliebte Thaïs ehelichen. Diese ist nicht nur die schönste Frau Athens, sondern auch die Tochter des reichen Aristoboulos und eine geschickte Näherin. Das perfekte Eheglück scheint greifbar nah zu sein, doch in der Hochzeitsnacht wird Thaïs entführt. Menandros ist verzweifelt vor Sehnsucht. Nach Erhalt des ersten Lebenszeichens seiner Frau begibt er sich auf die Suche nach ihr. Dabei wird er von seinem treuen Diener Eudromos begleitet. Die beiden machen sich mit genug Gold und Waffen auf den Weg, um Thaïs freizukaufen. Sie wurde nämlich von Piraten und Frauenhändlern geraubt und verkauft. Ihre Schönheit und Jungfräulichkeit bewahren sie vor dem Tod und allein die Hoffnung, eines Tages Menandros wieder sehen zu können, bewahrt sie vor der vollkommenen Verzweiflung. Denn immer wieder wird Thaïs geraubt und als Sklavin von einem Herrscher zum nächsten weitergereicht. Die Suche nach Thaïs entpuppt sich als schwieriger als gedacht. Das Unterfangen erstreckt sich über Jahre und immer wieder gerät Menandros in lebensgefährliche Situationen. Dabei wandelt er sich vom tugendvollen Helden zum grausamen Heerführer: Menandros scheint gewillt zu sein, alles zu tun, um seine geliebte Thaïs wiederzufinden, doch die Suche wird zu einer regelrechten Odyssee. Dabei scheint das Ziel selbst Unheil zu bringen, denn den beiden wurde ein schreckliches Schicksal vorhergesagt.

Menandros & Thaïs ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ondřej Cikán. Das Buch erzählt die mythische Geschichte der beiden Liebenden als antiken Stoff, versetzt in die Gegenwart. Dabei wird alles aufgeboten, was es an phantasievollen Motiven geben kann: Von der bösen Hexe und ihrer Dienerin – die verliebt in Menandros ist und als sein persönlicher Schutz- und Unheilengel auftritt – bis hin zu großen Heeren, wundersamen Zauberkräften, alten mythologischen Gestalten und persischen Prinzessinnen. Der Film wechselt dabei leichtfüßig zwischen Antike und Gegenwart. Bildszenen aus Wien und Prag wechseln sich mit Landschaftsszenen ab und man sieht Menandros und Eudromos sich ihren Weg durch verschneite Landschaften, Sumpfgebiete und Wüsten schlagen. Ganz in der Tradition der tschechoslowakischen Märchenfilme wird hier mit Alltagsgegenständen allegorisch eine phantasievolle Szenerie beschrieben. Eine gewisse Vorstellungskraft ist dabei vom Publikum zu erbringen. Doch wenn man sich auf diese Erzählebene begibt, dann erstreckt sich vor einem ein phantastischer Film, der, was Schlachten und nackte Frauenkörper betrifft, einer Game of Thrones Folge in nichts nachsteht. 

Der Film ist vor allem wegen seiner Überraschungseffekte und der Skurrilität mit der hier gearbeitet wird bizarr, witzig und eindringlich; In keiner Szene lässt sich voraussagen, was als nächstes geschehen wird. Die Texte sind lange poetische Monologe, entnommen aus dem Roman. Bildlich aufgeladen, stofflich fast schon an Handlung und Charakteren platzend und symbolisch weit über das gewohnte Maß angereichert, ist dies ein richtiger Kostümschinken an dem man seinen Spaß hat.

Gedreht wurde der Film über vier Jahre. Trotz fehlender finanzieller Mittel ließen sich die Filmemacher nicht entmutigen und machten diesen Mangel mit viel Einsatz wett. Der Film ist ein richtiges europäisches Unterfangen; er ist mehrsprachig, die Untertitel Tschechisch und Deutsch. Das gesamte Team arbeitete unentgeltlich und zeigte dabei, dass man fürs Filmemachen vor allem eines braucht: Leidenschaft und eine kleine Prise Größenwahn.

 

Weitere Vorstellungstermine:

Wien
Burgkino, 5.11.2016, 16:00
Burgkino, 7.11.2016, 16:00

Villach
Filmstudio Villach, 24.11.2016, 20:00 (mit Publikumsgespräch)

 

 

Klagenfurt
Volkskino, 25.11.2016, 20:40 (mit Publikumsgespräch)
Volkskino, 26.11.2016, 16:30
Volkskino, 27.11.2016, 16:30

Graz
Filmzentrum im Rechbauerkino, 2.12. 2016, 16:00

Weitere Informationen: www.menandros.cz